DVD de Luxe: Die 3D-Designschmiede Blurmedia
entwickelt Menüs für DVDs komplett digital. Wie
„Die Unendliche Geschichte“ mit dem Cintiq-Interactive-Pen-Display 18SX von Wacom entstand, zeigt dieser
Werkstattbericht. Anspruchsvolle Aufgabenstellung:
Der Auftrag, das Menü und die
Bonustracks für die DVD-De-luxe-Ausgabe
zu erstellen, ging an Blurmedia. Das
Designstudio arbeitet bereits seit mehreren
Jahren für große Filmstudios und
entwickelt neben DVDs auch TV-Trailer
sowie 2D-/3D-Animationen. Die DVD
sollte die Zuschauer von Anfang an in die
Welt von Bastian Atreju führen, Elemente
aus dem Film benutzen und vor allem lebendig wirken. Insgesamt umfasste die
De-luxe-Ausgabe zwei DVDs. Eine davon
sollte den deutschen Film mit zusätzlichen
Infos enthalten, die andere die
englische Fassung, das Musikvideo und
weitere Features. Das Menüdesign und
die Menüführung müssen den hohen
Ansprüchen des Films entsprechen. Und,
wie bei DVD-Produktionen üblich: Zeit
und Budget waren knapp bemessen.
Grundidee und Skribbles Die
Grundidee für das Menü stand schnell
fest: Wie im Buch, sollten auch bei den
DVDs Bastian und Atreju im Mittelpunkt
stehen. Für die beiden DVDs übernahm
man zwei zentrale Elemente aus dem
Film: Im Mittelpunkt der ersten DVD
steht Bastian mit dem Buch auf demDachboden. Die zweite DVD dreht sich
ganz um Atreju vor dem Spiegel des Eispalastes
(Abbildung 01). Die Menüführung
sollte komplett ohne Schnitte, dafür
ausschließlich über Kamerafahrten
geschehen. Statt erste Skizzen mit Papier
und Stift zu erstellen, zu scannen und zu
verschicken, entwickelte Blurmedia-Chef
Michael Schwertel schon die ersten
Skribbles digital – direkt mit dem Cintiq-Stift auf dem Display. Dadurch wurde
nicht nur die Abstimmung erheblich
schneller, auch Korrekturen der ersten
Entwürfe konnten digital umgesetzt werden;
es war nicht erforderlich, sie komplett
neu zu zeichnen.
Die Umsetzung Zunächst wurde das
Gesicht von Bastian aus dem Originalfilmmaterial
kopiert. Mit der 3D-Software
XSI von Softimage entstanden der dreidimensionale
Bastian und um ihn
herum der Dachboden. Mithilfe
des Cintiq-Stiftes konnten die
Texturen der einzelnen Objekte
exakt bearbeitet werden. Für
Michael Schwertel ein entscheidender
Vorteil: „Mit dem
Cintiq kann ich direkt mit
dem Stift auf dem Bildschirm
an 3D-Objekten
malen und Veränderungen
vornehmen.“
Dank der
Drucksensitivität
können die Texturen
unterschiedlich
stark aufgetragen
werden.
Nachdem die
einzelnen Objekte
und die Umgebung
geschaffen waren,
wurden die Kamerafahrten
realisiert.
Szene auf dem Dachboden:
Die Kamerafahrt
beginnt hinter Bastian,
fährt dann um 180 Grad
um ihn herum und leitet
den Zuschauer auf das aufgeschlagene
Buch vor
dem Jungen. Ein Klick auf
den entsprechenden
Menü-Unterpunkt startet
eine neue Fahrt. Da die
gesamte Menüsteuerung
komplett ohne Schnitte
auskommt, war hier ebenfalls Präzision gefragt. Auch das setzte
Michael Schwertel von Anfang an digital
um: Mit dem Stift auf dem Display wurden
Start- und Endpunkt der Kamerafahrt
festgelegt, und der jeweilige Bewegungspfad
selbst wurde in einer schwungvollen
Linie dargestellt. Das Ergebnis: Wie beim
Filmen mit einer „echten“ Kamera entstand
eine fließende Bewegung. Ohne
den Stift und das direkte Arbeiten auf
dem Bildschirm wäre dies nur mit erhöhtem
Zeit- und Rechenaufwand möglich
gewesen.
Einzelne Bilder konnten hinterher gezielt retuschiert werden. Die Drucksensitivität
des Cintiq-Stiftes erlaubt es, die
Strichstärken zu variieren und so feinste
Korrekturen pixelgenau umzusetzen.
Das digitale Papier verfügt über eine
weitere Funktionalität, wie sie die Zeichner
vom Malen her kennen: Damit sozusagen
das Gefühl so nah am Papier ist
wie möglich, lässt sich das Display aus
der Halterung nehmen und beispielsweise
auf den Schoß legen. In der Halterung selbst kann es um 180 Grad nach
links und nach rechts gedreht werden.
Die malerische Art des Arbeitens übertrug
sich positiv auf das Aussehen der
Animationen.
Einzelne Elemente wurden esondert
entwickelt. Beispielsweise ist auf dem Dachboden ein Skelett zu sehen. Für den
Nachbau in 3D waren Zeit und Budget zu
knapp. Deshalb wurde ein Skelett aus
einem Foto freigestellt und auf die Fläche
des Dachbodens projiziert, damit eine
räumliche Vorstellung entstehen konnte,
die von einer echten 3D-Entwicklung
nicht zu unterscheiden ist. Hier profitierte
man von der Genauigkeit des Stifts:
Freigestellte Objekte im Raum wirken nur
dann echt, wenn sie ganz exakt ausgeschnitten sind und wenn kleinste Feinheiten
beachtet wurden. Der Stift bietet die
Möglichkeit, pixelgenau zu zeichnen. Mit
dem Radiergummi am Ende des Stifts
lassen sich kleine Fehler einfach korrigieren. |