Hüpfende Gummibärchen
aus Lindlar
LINDLAR. Wenn Gummibärchen quietschvergnügt über
den Bildschirm hüpfen oder Mr. Bean als Zeichentrickmännchen
sein Unwesen treibt, dann hat Michael Schwertel seine Hand
im Spiel. Der 29-jährige Multimedia-Designer entwirft
am Computer Animationen für Fernsehen und Werbung, kreiert
DVD-Menüs für Filme wie Momo und Die
Unendliche Geschichte.
Sein Büro liegt eher versteckt im Neubaugebiet Lindlar-West,
die Ausrüstung - PCs, mehrere Monitore, ein Fernseher,
passen locker in das Arbeitszimmer seiner Wohnung.
Statt weißem Papier und Folien benutzt der Neu-Lindlarer
einen speziellen Zeichenbildschirm, mit einem Spezialstift
entstehen so bunte Männchen und die Ideen für pfiffige
kleine Filme. Schon als Kind haben mich Trickfilme fasziniert,
erzählt der Jungunternehmer. Mit Playmobilfiguren stellte
er kleine Filmsequenzen nach und bannte sie auf Zelluloid.
Als Schüler zeichnete er Karikaturen von Lehrern, gewann
einen Bundespreis. Nach dem Abitur folgte ein Praktikum beim
Hessischen Rundfunk, und Schwertel lernte, dreidimensionale
Wetterkarten am PC zu programmieren. Während des Studiums
an der Kunsthochschule für Medien in Köln - sehr
anspruchsvoll und sehr gut - jobbte er unter anderm
bei RTL und NTV. So entstand nach und nach ein Netzwerk von
persönlichen Kontakten. Damit war blurmedia
geboren, Schwertels eigene Firma, ein virtuelles Studio.
Wie das funktioniert? Der 29-jährige erzählt von
seinem letzten Projekt. Vom ZDF bekam ich den Auftrag,
das Design für die Serie Goldfieber zu entwerfen.
Schwertel zeichnete Entwürfe, konzipierte ein Storyboard,
und suchte sich Spezialisten für Ton und Film zusammen.
Die Mitarbeiter tauschen dann ihre Ideen und Entwürfe
via Internet aus. Im Zeitalter des World Wide Web haben reale
Entfernungen keine Bedeutung mehr.
Und so ist es für Schwertel auch kein Problem, blurmedia
vom ländlichen Lindlar aus zu betreuen. Warum soll
ich in einem hässlichen Büro in Köln sitzen,
wenn ich hier das Grün vor der Haustür habe?,
so seine rhetorische Frage. Drum zog er kurzentschlossen ins
Bergische.
Von der viel beschworenen Krise der Medienbranche spürt
Schwertel wenig. Die Geschäfte laufen echt gut,
meint er, was sicher auch daran liege, dass blurmedia
keinen großen Stamm von festen Mitarbeitern beschäftigt,
sondern sich je nach Auftrag ein neues, flexibles Team zusammenfindet.
So ganz nebenbei schreibt der Mediadesinger auch noch ein
Fachbuch, seit neuestem ist er außerdem Mitglied im
IHK-Form Oberberg.
Auch im Ausland ist man mittlerweile auf das Talent von Michael
Schwertel aufmerksam geworden. Vor einigen Tagen bekam der
Jungunternehmer Post von der Broadcast Directers Association
(BDA). Der BDA-Award gilt als der Oscar der Fernsehdesignbranche.
Wenn im April in Los Angeles die weltbesten TV-Designer gekürt
werden, dann wird Michael Schwertel in der Jury sitzen. Den
Trip nach L.A muss sich der Lindlarer allerdings schenken,
denn in Frankfurt steht eine wichtige Messe an. Aber
das ist gar kein Problem, meint der Mediadesigner, die
schicken mir die nominierten Beiträge ganz einfach als
Datenpaket hierher.
STEFAN CORSSEN
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